Die Webcam-Knigge

Teil 1 - Technik

Durch meine Arbeit als Trainer hatte ich, wie viele von uns, vor allem seit Beginn der weltweiten Pandemie durch den Corona-Virus mit Online-Meetings zu tun. Seither sind Besprechungen und Geschäftstermine nicht nur im Quarantänefall eine Option – vielmehr sind diese schon fast normal geworden.

Mir ist dabei in den letzten Monaten aufgefallen, dass ein Meeting durch das Verwenden einer Webcam oft etwas unpersönlich wird, beziehungsweise die persönliche Verbundenheit leidet. Um dem vorzubeugen und um die Qualität von Gesprächen per Webcam generell zu verbessern, hier ein kurzer Leitfaden mit Punkten, die man beachten kann und sollte. Vor allem für Bewerbungsgespräche und ähnlich formelle Online-Termine, aber auch um das Gesprächsklima unter Kollegen zu beleben – hier unser Webcam-Knigge!

Die Kamera

Den ersten technischen Punkt, den es zu klären gilt, betrifft die Webcam selbst. Meist ist eine Webcam in Verwendung, die im Bildschirm, beziehungsweise im Laptop, fest eingebaut ist. Diese Art der Webcam birgt ein kleines Problem in sich. Denn im Normalfall hat man den Laptop vor sich am Tisch stehen. So ist der Bildschirm und auch die Webcam in einem Winkel nach oben gerichtet. Dies hat zur Folge, dass man sein eigenes Gesicht leicht von unten filmt. Je nach Winkel ergibt dies eine eher nachteilige Perspektive für ein gutes Bild. Unser Gesicht erscheint schnell etwas verzerrt und unnatürlich.

Die Lösung hier ist es, den Laptop oder den Bildschirm in welchem die Webcam verbaut ist, hoch genug zu platzieren. Im Notfall kann man das Gerät einfach auf ein paar stabile Bücher stellen, damit sich die Webcam etwa in Augenhöhe befindet. So vermeidet man unschöne Verzerrungen und ungünstige Blickwinkel vom eigenen Gesicht.

Der nächste Aspekt betrifft ebenfalls die Webcam. Und zwar den gewählten Bildausschnitt. Regulär sitzen wir etwa einen halben, bis einen Meter vor unseren Bildschirmen – und somit gleich weit von den eingebauten Webcams entfernt. Mit diesem Abstand erzeugt eine Webcam, je nach Brennweite, ein Blickfeld, welches meist nur unseren Kopf, die Schultern und vielleicht die oberen Brustpartien zeigt. Für ein Gespräch, vor allem wenn es formeller werden oder wirken soll, ist aber unsere Gestik eine der wichtigsten Bestandteile!

Darum sollte man den Bildausschnitt bewusst so wählen, dass man genug von sich zeigt! Nur nicht scheu sein, denn in jedem realen Gespräch hat das Gegenüber stets den gesamten Körper im Blick. Und unsere unterbewusste Wahrnehmung ist darauf trainiert, unser Gegenüber auf diese Weise zu verstehen! Um dies noch etwas mehr auszureizen, kann man sogar so weit gehen und den Laptop hoch genug zu platzieren, damit man stehend vor der Webcam, zumindest den gesamten Oberkörper samt Gestiken am Bild sehen kann. Vor allem für Bewerbungsgespräche oder andere sehr formelle Gelegenheiten empfielt sich diese Methode besonders!

Hat man eine frei bewegliche Webcam, ist das alles noch viel einfacher zu erreichen und man muss seinen Computer nicht auf irgendwelche Konstruktionen aus Büchern stellen. Es sind im Handel kleine Webcams erhältlich, die per USB an den Computer angeschlossen werden. Diese Cams haben in der Regel ein reguläres Stativgewinde an deren Unterseite. So kann man die Webcam mit einem kleinen Stativ perfekt plazieren, um ein optimales Bild zu erhalten.

Die professionelle Variante hierzu wäre es, statt einer Webcam eine richtige Kamera zu verwenden. Die Verwendung einer solchen Kamera hat zusätzliche Vorteile, wie beispielsweise eine flexible Brennweite, um den Blickwinkel noch besser justieren zu können, eine flexible Blende, um die Tiefenschärfe anpassen zu können – um nur zwei Vorteile zu nennen. Diese Arbeitsweise würde ich jedem empfehlen, der regelmäßig längere Webinare abhalten oder diese gar an zahlende Kunden verkaufen möchte.

Das Licht

Der zweite technische Punkt betrifft die Beleuchtung. Generell neigen wir oft dazu in einem relativ dunklen Raum vor dem Computer zu sitzen. Dies hat bei gewissen Arbeiten seine Vorteile – aber bei Online-Meetings sollte man das wirklich nicht machen. Denn unsere Bildschirme senden bekanntlich Licht aus, um das Bild am Bildschirm selbst zu erzeugen. Leider eignet sich dieses Licht überhaupt nicht, um ein Gesicht vor einer Kamera richtig zu beleuchten. Das hat zur Folge, dass man auf dem Bild oft sehr ungesund aussieht, auch wenn man geschminkt sein sollte.

Die Lösung ist einfach – mehr Licht! Einfach ein oder zwei Schreibtischlampen so platzieren, dass diese links und rechts neben dem Bildschirm unser Gesicht hell ausleuchten. Am besten nimmt man warmes Licht. Wenn es LED-Leuchten sind, muss man darauf achten, dass diese ein warmes Weiß ausstrahlen.

Die professionelle Lösung für die Beleuchtung sieht ganz ähnlich aus. Nur dass professionelle Leuchten beispielsweise einen einstellbaren Weißton haben, Diffusoren zum Vermeiden von ungewollten Schatten oder Lichtformer, um das Licht noch besser lenken zu können.

Der Ton

Der nächste Punkt zur Technik betrifft den Ton. Für jedes Gespräch benötigt man natürlich auch einen guten Ton, damit man gut verstanden wird. Die eingebauten Mikrophone von modernen Computern sind oft ganz passabel. Zu bedenken ist hier vor allem der Abstand zum Mikrophon. Ist man zu weit entfernt, muss man unnatürlich laut sprechen damit man vom Gegenüber verstanden wird, was wiederum unsere Stimme nicht mehr natürlich, authentisch und entspannt wirken lässt. Vor allem bei formelleren Situationen, bei welchen man wie oben beschrieben, stehend, etwas weiter weg von der Webcam stehen will, damit die Gestik zu sehen ist, sollte man den Ton vorab testen, um sicher zu sein, dass man ohne schreien zu müssen noch laut genug ankommt.

Eine technische Lösung hier wäre ein kleines externes Mikrophon. Ein solches Mikrophon ist im Handel recht günstig zu bekommen, solange man eines mit Kabel verwenden möchte. Verwendet man aber eine frei stehende Webcam, so haben diese oft Mikrophone eingebaut und der Ton sollte so bereits optimal ankommen.

Die professionelle Arbeitsweise hier ist ein Mini-Mikrophon am Kragen, oder mit einem Kopfbügelmikrophon – mit oder ohne Funkstrecke. Alternativ könnte man auch ein geeignetes Mikrophon auf einem Stativ oder Schwenkarm verwenden. Entscheident sind hier vor allem die gewünschte Bewegungsfreiheit, die gewünschte Tonqualität und der bevorzugte Klang. Vor allem bei der Tonqualität und dem Klang kann man sich hier bis ins Detail austoben – wobei man aber je nach Übertragungsart des Online-Meetings abwägen muss, inwieweit die Qualität auch am anderen Ende ankommt.

Der letzte Aspekt betrifft unsere Stimme selbst. Unsere Stimme, gemeinsam mit Mimik und Gestik, sind das Kernelement eines jeden Gespräches. Gleichzeitig ist unsere Stimme ein Organ in unserem Körper, welches, wie jeder andere Körperteil, Zuwendung, Pflege und Training benötigt – besonders dann, wenn man viel von ihr abverlangt. Die Möglichkeiten dies zu bewerkstelligen reichen von einfachen Aufwärmübungen vor jedem Gespräch bis hin zu einem professionellen Stimmtraining. An dieser Stelle kann ich die Trainingstipps von Arno Fischbacher nur wärmstens empfehlen! (YouTube-Link, Homepage, Podcast)

Eine Zusammenfassung


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Nächste Woche geht es um das persönliche Auftreten bei Online-Meetings. Folgen Sie uns, um keinen Beitrag zu verpassen!